Bürgerkunst

Hand in Hand

Bereits im Jahre 1987 haben sich Christina & Roland Seeger (FFS-Leitung) damit beschäftigt, Menschen für ein gemeinsames Bürgerprojekt zu interessieren. Das angeregt durch den Künstler und dessen Philosophie Joseph Beuys (1921 – 1986), der einmal aussagte, dass in jedem Menschen ein Künstler steckt. So entstanden in Deutschland „Hand in Hand“ Projekte in Ruhpolding anlässlich eines Pfadfinder Weltlagers des VCP (etwa 3.000 teilnehmende Pfadfinder), in Düren anlässlich eines Wettbewerbs zum Thema Spielraumplanung (ca. 1.500 teilnehmende Bürger Jung und Alt). In beiden Fällen entstand ein Stelenlabyrinth. Eingefräste und mit Farbe ausgemalte Hände bildeten die Farbkomposition. Auf Grund der beiden Erfolge entstanden weiter Bürgerprojekte in Mainz, Bamberg Weimar und Balingen an denen jeweils um die 5.000 Menschen aktiv beteiligt werden konnten.

Überregionales Bürgerprojekt

Anlass für ein überregionales Bürgerprojekt waren die zunehmend faschistischen Tendenzen in Deutschland ab 1990, welche einen ihrer Höhepunkte am 29. Mai 1993 durch den Mordanschlag von Solingen erreichten. Fünf Menschen mussten dabei sterben. Wir, Christina und Roland Seeger, in Leitungsfunktion der Forschungsstelle für Frei- und Spielraumplanung (FFS), wollten hierbei nicht einfach schweigen, sondern uns öffentlich bekennen und die deutsche Bevölkerung durch ein besonderes Bürgerkunstobjekt aufrütteln. Entstanden ist ein bundesweit angelegtes Bürgerkunstobjekt, wieder mit Handabdrücken als Medium, jedoch diesmal als Windspiel durch gestaltete Holzschindeln. Den Raum bildeten die Platanen, welche vom Mainzer Dom zum Gutenberg Museum führen. Die Resonanz war enorm. Es hatten sich damals weit über 6.000 Menschen mit ihrem Handabdruck beteiligt. Zudem wurde auf der Rückseite ein Kommentar abgegeben, der sich mit Fragen zur Toleranz und Mitmenschlichkeit beschäftigt hatte. Führende Bundes- und Landespolitiker, Kirchenrepräsentanten, dabei nahezu alle Bischöfe in Deutschland, viele akkreditierte Botschafter in unserem Land, Gewerkschaftsfunktionäre, Sportler und Künstler sowie Menschen aus Mainz und anderen Städten in Deutschland. Die Mehrheit der prominenten Hände fanden Eingang in einem „Goldenen Buch“, das für ein Jahr im Mainzer Rathaus ausgelegt wurde. Heute ist es im Besitz der FFS.

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Künstlergruppe

Alle sozialen Kunstobjekte waren dadurch gekennzeichnet, dass sich Bürgerinnen und Bürger überall generationsübergreifend und spontan engagierten und sich mit den Kunstobjekten identifizierten und dabei kreativ einbrachten. Neu war dabei die Bürgererfahrung, dass gegenständliche Kunst nicht nur durch einen einzelnen Künstler oder eine Künstlergruppe entstehen kann, sondern durch die Bürger selbst, wobei es unerheblich war, was für einer Berufsgruppe man angehörte bzw. welchen sozialen Status man hatte. Vorgegeben war lediglich das Thema und die äußere Form. Die Motivation zur Teilnahme lag zum einen im sozialen Charakter des Entstehungsprozesses und zum anderen an der Möglichkeit, von sich selbst einen individuellen „Handabdruck“, also als Teil von sich selbst hinterlassen zu können.

Hundertwasser und Beuys

Nach dem zweiten Mainzer Projekt entwarfen Christina Und Roland Seeger inhaltlich weitere Bürgerkunstobjekte. Diesmal ließen sie sich durch die Architektur und Naturverbundenheit, aber auch durch die fantasievolle Lebendigkeit und Individualität der Arbeiten des Künstlers und Architekten Friedrich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser inspirieren (1928 – 2000). Hundertwasser war Gegner der geraden Linie und jeglicher Standardisierung. Die Planungen der Forschungsstelle für Frei- und Spielraumplanung (FFS) fanden sich in diesem Ansatz wieder. Alle FFS Konzepte versuchten und versuchen bis heute den rechten Winkel zu meiden. Begründet aus der Natur und der Evolutionstheorie. Damit verbunden Erkenntnisse aus der Lernforschung, die den positiv stimulierenden emotionalen Ansatz als treibende Kraft bei nachhaltiger Lernlust bestimmt. Entstanden sind so viele Wege und Plätze aus verschiedenen Pflasterarten, die in der Summe ein Kunstobjekt markieren. Im Gegensatz zu Hundertwasser, ließ man das Natursteinpflaster von Menschen oftmals auch von Schülerinnen und Schülern in Schulen sammeln um daraus ein Bürgerkunstprojekt entstehen zu lassen.

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Aktuell

Ganz aktuell entsteht derzeit (beginnend 2016/2017) in der Stadt Idstein ein weiteres Bürgerkunstprojekt. Diesmal sind Holzstelen das Medium. Wieder sind es Handabdrücke, die farblich angelegt als Leitmotiv wirken sollen. Sie sind so sichtbares Zeichen für ein Wohngebiet, das für mehr Toleranz und Mitmenschlichkeit wirbt und das Wir-Gefühl in der Stadt Idstein zum Ausdruck bringen möchte. So zumindest hat es ein Bürgerkünstler bei einer Projektsitzung im November 2016 zum Ausdruck gebracht.

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