Freiräume für Senioren

Zunehmend stellen wir fest, dass immer mehr, bedingt durch den demografischen Wandel in Deutschland, Seniorenspielplätze bei Städten und Gemeinden in den Focus der Betrachtung kommen.

Man nennt diese Angebote noch uneinheitlich GenerationenspielplatzMehrgenerationenspielplatzVita-ParcoursOutdoor-FitnessparkErwachsenenspielplatz oder unter anderem Bewegungsparcours. Die Zielsetzung ist hierbei auf ältere Menschen ausgerichtet. Eine eindeutige Bezeichnung und somit ein schlüssiges Konzept ist in Deutschland noch nicht gefunden. Man ist immer noch im Erprobungsstadium. Lösungsansätze werden bei der Spielgeräteherstellerindustrie, die mit Allwettergeräten und Aktionsparcours aufwartet, gesucht. Demnach zeichnet sich die gleiche Tendenz ab wie vor 60 Jahren, als die ersten Kinderspielplatzgeräte in Deutschland nach 1945 entwickelt und auf Kinderspielplätzen verteilt wurden. Die Forschungsstelle für Frei- und Spielraumplanung (FFS) unterstützt diesen aus unserer Sicht einseitigen Ansatz nicht. Dem gegenüber sehen wir im Mehrgenerationenpark, der sich durchaus auch nach der Sanierung von Kinderspielplätzen darstellen kann, eine Alternative, welche dem zunehmenden Generationenkonflikt nachhaltig entgegenwirken kann.

Spiel wurde damals und leider überwiegend bis heute
nicht ausreichend bewertet und gewürdigt

Fachübergreifende Planung und Sensibilisierung

Damit sich diese Historie des Spielgeräts nicht noch einmal wiederholt und bei dem Angebot für Senioren verfestigt, versucht das Team der FFS frühzeitig gegenzusteuern und sich in die Diskussion sowie Freiraumentwicklung durch vernetzt erarbeitete Konzepte einzumischen. Dabei ergibt sich kein Widerspruch zum Marktangebot, sofern man sich auf Ergänzungen, die über das Fitnessgerät hinaus gehen einlässt und zudem versucht, sich vom klassischen Parcoursgedanken, der Aneinanderreihung von Aktionspunkten, zu lösen. Zudem Planungen anbietet, welche nicht ausschließlich auf die Senioren abgestimmt sind und auch andere Generationsgruppen motivieren sich diese Freiräume aneignen zu wollen.

Von daher dürften sich die Begriffe „Mehrgenerationenspielplatz, besser Mehrgenerationenspielraum oder Mehrgenerationenpark“ für solche Freizeitangebote durchsetzen, möchte man aus wissenschaftlicher Sicht die Gesellschaft nicht in „werbewirksame Gruppen“ unterteilen und jede Altersgruppe mit ihren Besonderheiten bedienen. Ein Unterfangen, das einerseits was Freiraumangebote anbelangt, nicht finanzierbar ist und andererseits den gesellschaftlichen Egoismus in sich verstärkt und Kinderfeindlichkeit eher manifestiert. Insbesondere in einer alternden Gesellschaft, in der zunehmend das gesellschaftliche Sozialprinzip durch die sich verändernde Alterspyramide in eine Schieflage gerät, ist es für die gemeinsame Zukunft von Bedeutung, dass Jung und Alt aufeinander zugehen (können), sich besser verstehen und miteinander kommunizieren. Eine enorme Chance bietet der Mehrgenerationenpark.
Als Seniorenspielplätze bezeichnet und entsprechend eingerichtet, werden solche in die Zukunft weisende und extrem wichtige Zielsetzungen untergraben. Demnach und nicht aus anderen Kulturkreisen kopiert, wie beispielsweise in China, wo es Outdoor-Fitnessparks bereits seit zwei Jahrzehnten gibt und die heute in das dortige Stadtbild gehören, bedarf es eigener Konzeptangebote in Deutschland und Europa, welche generationenverbindende, auf unsere Gesellschaft ausgerichtete Gestaltungsvarianten gibt. Auch diese können und sollten naturnah gestaltet sein und dadurch Wohlbefinden stimulieren.

Das können Erlebniswege und Plätze sein, besonnte und beschattete Nischen mit ergonomisch geeigneten Sitzgruppen, sinnlich anregende Bepflanzung, Weg begleitende Aktionspunkte, Spieltische, Freiluftschach, Mühle und Dame Spielflächen, Außenkegelbahn wie vor vielen Jahren bei der BUGA Cottbus gezeigt. Eine Modellkonzeption der FFS, Boule mit begrünter Überdachung und ausreichende Angebote für die passiven Spieler, Minigolf in eine eigene Landschaft integriert mit speziellen, motivationsanregenden Bausteinen, Ballspielbereiche die über das Fußballspielen hinaus gehen und auch multifunktionale Netzballspiele ermöglichen und nicht zu vergessen da und dort geeignete, anregende Bodenbeläge, damit das Inklusionsthema nicht zu kurz kommt. Demnach sollte man, zumindest im näheren Umfeld einer solchen altersungebundenen Begegnungsanlage gegebenenfalls auch an eine Toilette, ein Café oder an ein Imbissangebot denken. In jeden Falle dürfen Schattenplätze nicht fehlen, die zum Ruhen, Entspannen, Kommunizieren einladen.

Zukunftsvision für den kommunalen Raum

Es ist längst bekannt, dass öffentliche Kinderspielplätze, auch wenn sie gesetzlich gefordert sind, eher eine geringe Frequentierung erleben und zu einem für den Träger erheblichen Kostenfaktor werden.

Häufig ist es sogar so, dass aus generationenbetrachtender, demnach sozialer Sicht, sich der eine oder andere Kinderspielplatz im Wohngebiet überholt hat und zurück gebaut werden könnte. Bewertet man nun durch den demografischen Wandel diese kostenintensiven Freiräume und verlässt den Ansatz der Generationentrennung, könnte sich insgesamt in Stufen ein Wandel bei der Betrachtung und Planung von öffentlichen Spiel- und Begegnungsräumen ergeben, die künftig alle Generationsgruppen auch real und nicht nur hypothetisch erfassen und ansprechen. Das Team der FFS hat hierfür Konzepte und Gestaltungsvorschläge und bereitet aktuell eine systematische wissenschaftliche Begleitforschung vor.

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Forschungsstelle für Frei- und Spielraumplanung (FFS)
Birkenweg 1
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